Jahr2018
ZeitschriftActa Nova
AutorenJohanna Jacobi, Luis Lohse und Joachim Milz

Bio-Koka in der Agroforstwirtschaft verdreifacht das Nettoeinkommen fast, trotz einer geringeren Ernte von 39%

Forscher untersuchten die Anbaumethoden für Koka in der Region Yungas in La Paz. Dabei kombinierten sie 62 Interviews mit veröffentlichten Daten und Feldbesuchen auf Parzellen mit diversifiziertem Koka-Anbau.

Der Kokamonokultur-Anbau nimmt mehr als die Hälfte der Anbaufläche in den Yungas ein. Diese Monokultur führt zu Bodendegradation, verursacht Erdrutsche und ist auf giftige Agrochemikalien angewiesen. Vier häufig verwendete Pestizide – Tamaron, Estermin, Folidol und Karate – sind als hochtoxisch oder als mögliche endokrine Disruptoren eingestuft.

Die Bodendegradation betrifft heute mehr als 467.000 Hektar in sechs Gemeinden der Yungas. Kokapflanzen in Monokultur haben in der Regel eine Lebensdauer von nur 10 bis 30 Jahren. Bei sachgemäßer Bewirtschaftung kann Koka hingegen über 40 Jahre lang Erträge liefern.

In den traditionellen, diversifizierten Anbausystemen wurde früher Koka mit Schattenbäumen, Nahrungsmittelpflanzen und schädlingsabwehrenden Pflanzen kombiniert. Diese Praktiken gingen nach und nach verloren, als die Kokapreise stiegen und die Bauern andere Anbaukulturen aufgaben. Heutzutage bauen sie weniger Obst und traditionelle Nahrungsmittel an, was die Ernährungssicherheit der Familien beeinträchtigt.

Die dynamische Agroforstwirtschaft bietet eine wissenschaftlich fundierte Alternative. Forscher stellten bei Kulturen wie Orangen und Kakao in Systemen der dynamischen Agroforstwirtschaft eine höhere Bodenfruchtbarkeit und Produktivität fest als in vergleichbaren Monokulturen. Eine Studie ergab, dass in der Agroforstwirtschaft 50% weniger Orangen durch Fruchtfliegen geschädigt wurden als in Monokulturen. Eine andere Studie stellte fest, dass in diversifizierten Kakaoanbaugebieten weniger Krankheiten auftraten, ohne dass dabei Ertragseinbußen hingenommen werden mussten.

Auch die wirtschaftlichen Daten sprechen für eine Diversifizierung des Kokaanbaus. Eine Studie ergab, dass der ökologische Kokaanbau im Rahmen der Agroforstwirtschaft einen Jahresertrag von 17.950 BOB pro Cato (0,25 ha) erzielte, gegenüber 9.475 BOB bei konventioneller Monokultur. Die Kokaserntemenge fiel im Bio-Anbau um 39% geringer aus, doch der Nettogewinn belief sich dennoch auf 5.690 BOB – mehr als doppelt so viel wie die 2.135 BOB, die im konventionellen Anbau erzielt wurden.

Mehr als 300 Familien bauen heute zertifizierten Bio-Koka in Agroforstsystemen an. Ecotop hat mehr als 200 dieser Familien unterstützt. Die Landwirte nannten die Bodendegradation, den geringeren Schädlingsdruck und die Gesundheit ihrer Familien als Hauptgründe für den Wandel. Die Forscher stellten fest, dass die vielfältige Mischung aus verschiedenen Kulturen – Kaffee, Zitrusfrüchte, Mangos, Honig – die Landwirte vor den Preisschwankungen schützt, denen der Koka-Anbau allein unterliegt.

Trotz dieser Ergebnisse ist die institutionelle Unterstützung nach wie vor begrenzt. Die Befragten nannten eine schwache staatliche Unterstützung, wenige Forschungsprogramme und einen unterentwickelten Markt für Bio-Koka als anhaltende Hindernisse.

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