Unsere Geschichte

ECOTOP wurde in den frühen 2000er Jahren von Dr. Joachim Milz und einem Schweizer Mitbegründer in Bolivien gegründet und leistete Pionierarbeit bei der dynamischen Agroforstwirtschaft (DAF) als naturbasierte Alternative zur konventionellen Landwirtschaft, die mit den natürlichen Prozessen arbeitet und nicht gegen sie. Dieser Ansatz stellt den Boden wieder her, steigert die Produktivität und fördert die Artenvielfalt. Heute treibt ECOTOP die regenerative Landwirtschaft weltweit durch Forschung, Schulungen und Partnerschaften voran.

1980s

Von einer Vision im bolivianischen Amazonasgebiet zum Beginn einer großen Bewegung

Unsere Reise begann 1982, als Dr. Joachim Milz, ein junger Agraringenieur aus Deutschland, nach Sapecho, Bolivien, zog, um für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED), den heutigen Teil der GIZ, zu arbeiten. Während seiner Zeit als Mitarbeiter in der Region Alto Beni lernte er die örtlichen Bauerngemeinschaften kennen und traf seine zukünftige bolivianische Frau, was seine Verbindung zu der Region weiter festigte.

Während seiner Arbeit mit der Kooperative El Ceibo - damals ein neu gegründeter Zusammenschluss von Kleinbauern - spielte Joachim eine entscheidende Rolle bei der Einrichtung der ersten zertifizierten Bio-Kakao-Lieferkette der Welt, die 1987 ins Leben gerufen wurde. Er war maßgeblich am Zustandekommen der historischen Partnerschaft zwischen El Ceibo und dem deutschen Unternehmen Rapunzel Naturkost beteiligt, die internationale Märkte für bolivianischen Bio-Kakao eröffnete und den Grundstein für eine globale Bewegung legte.

In dem Bestreben, sein landwirtschaftliches Wissen in die Praxis umzusetzen, kaufte Joachim eine Farm in der Nähe von Sapecho, die später zum Lernzentrum von ECOTOP wurde. Diese Farm diente als Versuchsgelände, auf dem er Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit, zur Steigerung der Produktivität, zur Verbesserung des Schnittmanagements und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit in der tropischen Landwirtschaft erforschte. Seine ersten Versuche bestanden darin, eine degradierte Orangenplantage in ein Polykultursystem mit Leguminosen und Bäumen umzuwandeln. Er erkannte jedoch bald, dass es nicht ausreichte, einfach nur mehr Pflanzen hinzuzufügen - ein systematischerer, von der Natur inspirierter Ansatz war erforderlich.

Joachim Milz im Jahr 1987 © Joseph Wilhelm
Johannes Milz, Ernst Götsch, and Joachim Milz standing beside a Theobroma speciosum tree laden with fruits on Joachim Milz’s Dynamic Agroforestry farm in Alt Beni, Bolivia
Von links nach rechts: Johannes Milz, Ernst Götsch und Joachim Milz auf dem Familienbetrieb in Alto Beni, Bolivien. © ECOTOP
1990s

Pionierarbeit für eine dynamische Agroforstwirtschaft

Entschlossen, ein neues Anbaumodell zu finden, begann Joachim mit einer Gruppe bolivianischer Pionierbauern zusammenzuarbeiten, darunter Walter Yana, der bis heute mit ECOTOP zusammenarbeitet. Ihr Interesse an der sukzessiven Agroforstwirtschaft wurde durch einen Besuch des Schweizer Agroforstexperten Ernst Götsch geweckt, dessen bahnbrechende Konzepte zur Waldsukzession und natürlichen Selbstorganisation einen bleibenden Eindruck hinterließen. Tief inspiriert begann die Gruppe unter der Leitung von Joachim, diese Ideen auf ihren eigenen Betrieben zu erproben und anzupassen und degradierte Flächen in vielfältige, widerstandsfähige Agrarökosysteme umzuwandeln. Gemeinsam verfeinerten sie eine Methode, die die natürliche Walddynamik nachahmt und gleichzeitig die landwirtschaftliche Produktivität steigert.

Ursprünglich als Successional Agroforestry bezeichnet, entwickelte sich der Ansatz durch praktische Erfahrungen und lokale Innovationen weiter. Im Jahr 2006 wurde der Name in Dynamische Agroforstwirtschaft (DAF) geändert, um die bolivianische Bewegung von Ernst Götschs Arbeit in Brasilien zu unterscheiden. Obwohl beide Ansätze die gleichen ökologischen Grundprinzipien haben, entwickelte sich der bolivianische Weg unabhängig und umfasste verschiedene Methoden, die an den eigenen Kontext angepasst waren.

In den frühen 2000er Jahren erkannte Joachim die Notwendigkeit, diese Praktiken zu institutionalisieren, um ihre breite Anwendung zu gewährleisten. Dies veranlasste ihn zur Gründung von ECOTOP, einer Plattform, die sich der Entwicklung, Skalierung und Förderung der dynamischen Agroforstwirtschaft (DAF) widmet - ein Konzept und ein Name, den er geprägt hat.

2000s

Jenseits von Bio: Eine regenerativere Zukunft

Joachims frühere Arbeit mit der Cooperativa El Ceibo, der größten Kakao-Kooperative Boliviens, war bereits bahnbrechend - mit dem Ergebnis, dass die die erste bio-zertifizierte Schokolade der Welt im Jahr 1987das in Zusammenarbeit mit Rapunzel Naturkost entwickelt wurde. Er erkannte jedoch die Grenzen der ökologischen Zertifizierung allein. Der ökologische Landbau verzichtete zwar auf den Einsatz von Chemikalien, doch regenerierte er nicht unbedingt die Ökosysteme oder löste die Produktivitätsprobleme der Landwirte.

Joachims Vision ging noch weiter:

  • Über die Eingabesubstitution hinausgehen und selbsttragende landwirtschaftliche Systeme zu entwickeln.
  • Förderung der biologischen Vielfalt und der Bodenfruchtbarkeit statt nur auf synthetische Düngemittel zu verzichten.
  • Der Beweis, dass die Arbeit mit der Natur sowohl die Produktivität als auch die Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Damit war die Aufgabe von ECOTOP festgelegt: Entwicklung und Verbreitung skalierbarer Agroforstmodelle, die Landschaften regenerieren und gleichzeitig den Lebensunterhalt der Bauern verbessern.

Joachim Milz walking beside a young local boy holding seedlings during a mission in Africa to promote reforestation and agroforestry.
Joachim Milz bei einem Einsatz in Kenia © ECOTOP

Den Wandel durch Forschung, Schulung und Umsetzung vorantreiben

Von seinen Wurzeln in Sapecho aus entwickelte sich ECOTOP schnell zu einem Zentrum für Forschung, Ausbildung und praktische Umsetzung in der Region.

Bauernzentrierter Ansatz

ECOTOP betonte partizipative Methodendie direkte Zusammenarbeit mit Kleinbauern, um mitgestalten agroforstwirtschaftliche Systeme, die ihren spezifischen Bedürfnissen und Landschaften entsprechen.

Forschung & wissenschaftliche Validierung

ECOTOP spielte eine führende Rolle beim Nachweis der Wirksamkeit der dynamischen Agroforstwirtschaft. Zu den wichtigsten Forschungsinitiativen gehören:

  • SysCom Bolivien (Sara Ana): Seit 2007 verwaltet ECOTOP Boliviens größter wissenschaftlicher Langzeitvergleich von Kakaoanbausystemen in Zusammenarbeit mit dem FiBL. Die Studie bewertet konventionelle Monokulturen, biologische Monokulturen, diversifizierte Agroforstsysteme und DAF-Systeme und liefert wichtige Daten über Produktivität, Bodengesundheit und die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen.
  • Kakao-Forschungsinstitut von Ghana (CRIG) Versuche: Im Jahr 2022 konzipierte und überwachte ECOTOP DAF-Versuchsflächen in Ghana, auf denen Kakao mit schnell und langsam wachsenden Bäumen kombiniert wurde, um die biologische Vielfalt, die Widerstandsfähigkeit und die Erträge langfristig zu verbessern. Diese Versuche haben zu folgenden Ergebnissen geführt Anerkennung durch das Ghana Cocoa Board (COCOBOD), die erwägt, die DAF in die nationale Kakaopolitik zu integrieren.

Institutionelle Partnerschaften und politische Auswirkungen

ECOTOP war maßgeblich beteiligt an Beeinflussung regionale und nationale Politiken, einschließlich:

  • Verbot der Brandrodung in Alto Beni: ECOTOP setzte sich erfolgreich für ein kommunales Verbot von chaqueo con quema (Brandrodung), Förderung chaqueo sin quema (Schneiden und Mulchen) als eine nachhaltige Alternative.
  • Erklärung von Alto Beni zum bergbaufreien Gebiet: Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und Gemeindevertretern unterstützte ECOTOP rechtlichean Verbot von Bergbauaktivitäten in der Region, Schutz der Wälder und der Wasserquellen.

Skalierung der Agroforstwirtschaft durch internationale Zusammenarbeit: ECOTOP ist Teil des Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao (SWISSCO) und das SANKOFA-Projekt in Ghana.

ECOTOP heute und der Weg dorthin

Seit seinen bescheidenen Anfängen in Sapecho hat sich ECOTOP zu einem weltweit führend in der dynamischen Agroforstwirtschaft-Pionierarbeit für naturbasierte Lösungen für Klimaresistenz, Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.

  • Ausbildung und Wissensaustausch: ECOTOP schult weiterhin Landwirte, Forscher und Unternehmen in regenerativer Landwirtschaft, veranstaltet internationale Kurse und entwickelt Bildungsprogramme mit bolivianischen Universitäten.
  • Ausweitung der Forschung und der Kohlenstofflösungen: Angesichts des wachsenden Interesses an der Kohlenstoffbindung und dem Kohlenstoffabbau durch die Agroforstwirtschaft arbeitet ECOTOP aktiv an der Entwicklung von Methoden, die ökologische Wiederherstellung mit unternehmerischen Nachhaltigkeitszielen verbinden.
  • Skalierung der Wirkung: Durch Partnerschaften mit Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und dem Privatsektor arbeitet ECOTOP daran, den Einsatz von DAF weltweit zu verbreiten und zu beweisen, dass Landwirtschaft sowohl produktiv als auch regenerativ sein kann.

Unser Auftrag bleibt klar

Landschaften zu regenerieren, landwirtschaftliche Gemeinschaften zu stärken und zu zeigen, dass die Zusammenarbeit mit der Natur der Schlüssel zu einer widerstandsfähigen landwirtschaftlichen Zukunft ist

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